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"Schwule Fußballer" oder "Der Zwang, schwule Profisportler haben zu wollen"
Eine erotische Geschichte geschrieben von dem 24jährigen Talent Orid

"Schwule Fußballer" oder "Der Zwang, schwule Profisportler haben zu wollen"

Eine englische Zeitschrift veröffentlichte im letzten Jahr zwei Artikel über Fummeleien mit Handy, die drei englische Fußballer gemacht haben sollen. Natürlich wurde von den Fußballern alles zurückgewiesen, auf Schadensersatzforderungen verklagt. Die Zeitschrift nahm offiziell die Anschuldigungen zurück und bestätigte die Schadensersatzzahlungen. Schließlich gab einige Monate später auch die Fußballer-Gattin ein Interview, in dem sie beschrieb, dass solche Anschuldigungen ihren Mann schon verletzten und innerlich beschäftigen, selbst wenn er dies öffentlich nicht zugibt und so tut, als ob die Anschuldigungen für ihn kein Problem seien.
Welchem Fußballer, in welchem Land und in welchem Kontext solch eine Art "Bericht" durch die Boulevard-Presse gebührt(e), ist im Grunde irrelevant. Das war weder der erste Fall, noch wird es der letzte sein...

Wieso aber eigentlich dieser ganze "Stress" alle paar Jahre bzw. mittlerweile Monate? Die ganze Diskussion passte unglaublich toll ins WM-Jahr. Während der WM, die ganz Deutschland ergriff - also auch die schwule Bevölkerung - kam die Frage nach schwulen Profi-Fußballern bzw. -Sportlern mehr auf als sonst. Der Spiegel hatte aber auch schon im Oktober 2004 einen Artikel veröffentlicht, in dem ein deutscher Nationalspieler anonym interviewt wurde, der schwul sei. Damals kamen Spekulationen auf, wer das wohl sein könnte... Wenn man den Artikel - insbesondere den Anfang - genauer liest und sich mit der damaligen Nationalmannschaft auskennt, kommt man mit Sicherheit auf den da erwähnten Spieler. Der Nationalspieler, der den Artikel mit dieser Aufmerksamkeit gelesen haben mag, wusste unter Garantie, wer gemeint ist. - Dann noch zu behaupten, keiner der Profifußballer könne sich einen Schwulen unter ihnen vorstellen oder hat nie etwas davon mitbekommen, ist spätestens dann absurd. Aber notwendig ist dieses Wissen darüber doch nicht wirklich, oder? Was geht es die Welt an, mit welchem Geschlecht ein bestimmter Mensch am meisten Spaß hat? Prominente, eben auch Sportler, haben immer das "Leid", ihr Leben der Welt entweder ausgiebig zu präsentieren - wie es die Beckhams z.B. tun - oder ihr Leben der Welt so weit zu verheimlichen, wie es möglich ist.

Homosexuelle Sportler bilden wohl aber leider noch eine Ausnahme. Wenn man sich auf einer Internetseite die aufgelisteten schwulen, lesbischen oder bisexuellen Prominenten durchliest, fällt einem schon auf, dass die Sportler irgendwie fehlen. Da taucht ab und zu mal einer auf, den man sowieso noch nie gehört hat - aber der größte Teil der genannten Prominenz sind Schriftsteller, Schauspieler, Sänger, Maler oder andere künstlerisch agierende Menschen. Bei diesen scheint es nicht zu "stören". Wo sind aber die homosexuellen Sportler?
Spannend bei meinem Surfen durchs Internet war auch, dass es scheinbar in der Frauenfußballmannschaft kein Problem ist, dass man seine Sexualität als offenes Geheimnis trägt. Nur "zum öffentlichen Ärgernis" darf es nicht werden, dann kommt der DFB mit dem erhobenen Zeigefinger und suspendiert auch gleich mal eine Spielerin. Bei den Männern ist es undenkbar und bisher natürlich in den ganzen Jahren Bundesligageschichte noch nicht aufgetreten, dass einer der Spieler schwul war bzw. ist. Unser anonymer Spiegel-Fußballer wäre das erste Beispiel. Ein weiteres, aber nicht vollends bestätigtes, ist möglicherweise Heinz Bonn gewesen? Bonn war einer der Nachwuchshoffnungen des Hamburger SV, hatte irgendwann dann leider eine Knieverletzung, die ihm das weitere Spielen nicht möglich machte. Im Jahre 1991 wurde er mit 44 Jahren tot aufgefunden - angeblich erstochen von einem Stricher? Das wirkt so, als dass im Nachhinein Sportler sich besser outen lassen - auch Sportler, die eine nicht zu glanzvolle Karriere bestreiten oder bestritten hatten.
Ein ähnlicher Fall trug sich zur gleichen Zeit in England zu: Justin Fashanu. Er spielte in der englischen Liga, war ebenso Nachwuchshoffnung, hatte auch eine gravierende Knieverletzung, die ihm die Profispieler-Karriere beenden ließ. Schließlich ging er als Trainer in die USA und besaß dort eine Schwulenbar! Sein öffentliches Outing vollzog er 1990 in der englischen The Sun, was dann aber seine Karriere im Fußball noch mehr zerstörte als bereits zuvor. Er ging wieder zurück in die USA, suchte mehr oder minder erfolglos nach Job-Möglichkeiten und wurde 1998 schließlich auch noch von einem 17jährigen der Vergewaltigung bezichtigt. Die Presse mag bekanntlich solche Dinge und vor-verurteilte ihn. Fashanu ging zurück in seine englische Heimat, wo er im selben Jahr noch Selbstmord beging. In seinen Abschiedssätzen nennt er u.a. als Grund, dass er insbesondere über seine Familie nicht noch mehr Unglück bringen wollte. Das Verfahren in den USA war aber auf Grund mangelnder Beweise bereits eingestellt und in Großbritannien fehlte eine gesetzliche Grundlage für diese Art Anklage vollkommen. Eine rechtliche Strafe hätte Fashanu demnach gar nicht getroffen - aber durch die Öffentlichkeit fühlte er sich wohl schon seit langem für seine Sexualität bestraft.

An diesen Beispielen ist ersichtlich, wieso sich keiner der Profisportler-Szene outet. Es wirkt so, als ob der männliche Profisport eben nur von Heterosexuellen besetzt ist - der Fußball stellt dabei einen ganz besonders verstärkter Fall dar. Im Stereotyp Schwuler hat Fußball spielen keinen Platz. Es herrscht immer noch die Meinung, dass Schwule verweichlicht, weibisch und viel zu sensibel sind. So wenig die deutschen Fußballfrauen vor ihrem WM-Titel beachtet worden, so wenig will man Schwule im Fußball beachten. Die Fußballfrauen hingegen dürfen auch sicherlich öffentlich als lesbisch erscheinen, weil dieses ins Stereotyp Lesbe passt. Zudem hat sich in der gesamten Homosexuellen-Geschichte noch selten eine Gesellschaft stark an lesbischer Liebe gestört - im Gegensatz zur Liebe zwischen Männern.
Homosexuelle im Fußball werden mit Sicherheit noch so lange nicht öffentlich spielen, wie die Gesellschaft ein Problem mit der Homosexualität hat. Selbst die Problematik der Geschlechterrolle spielt dabei noch entfernt mit. Das Bild der Frau und das Bild des Mannes muss sich weiter verändern, wenn sich die Anerkennung der jeweiligen Sexualität durchsetzen soll. Politisch ist in den letzten Jahren doch so manches in die richtige Richtung passiert - das muss weiter gehen. Insbesondere muss die Gesellschaft die neuen Gesetze annehmen und in der Realität auch umsetzen und (aus)leben. In einem gewissen Sinne sollte aber auch die schwule Welt damit umgehen können, dass sie nicht alles innerhalb von ein paar Jahrzehnten zur Anerkennung bringen kann, was Mitte des letzten Jahrhunderts erst seinen Anfang nahm. Zur Erinnerung: Erst vor 15 Jahren wurde Homosexualität von der Krankheitsliste der WHO gestrichen und noch heute gibt es eine Vielzahl von Ländern, in denen homosexuelle Handlungen unter Strafe stehen! Es muss weiter aufgeklärt, aufgezeigt und gekämpft werden - nicht nur gegen die Diskriminierung von Homosexuellen, sondern auch gegen die konservativen Restmeinungen in unserer Gesellschaft, die unzeitgemäße Stereotype aller Art hervorbringt. Wir müssen keine schwulen Fußballer finden, um uns als Schwule besser zu fühlen, sondern den Weg zu einer toleranten Gesellschaft. Eine Gesellschaft also, in der es niemanden mehr wundert, dass ein Nationalspieler nach seinem Spielsieg seinem Lebensgefährten voller Freude in die Arme fällt....


Febr 2007 by Orid


 

 

 

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